Hoffnung für die Liberalen?

Am Rhein, Henriette
Am Rhein, Henriette

[Europa, um 1830] Für den österreichischen Staatskanzler bedeuteten Meinungsfreiheit, Presse- und Versammlungsfreiheit und das Streben nach nationaler Einigkeit Unruhe und Gefahr für die Sicherheit.

Daher unterdrückte er sie mit aller Gewalt. Bücher und Zeitungen, selbst Dichtung wurden streng zensiert, Das galt auch für Heinrich Heines „Buch der Lieder“ mit dem Gedicht „Die Nacht auf dem Drachenfels“, das 1827 erschien.

Doch der Bourbonenkönig in Frankreich überspannte den Bogen. Im Juli 1830 kam es zu einem bewaffneten Aufstand in Paris, und er musste fliehen. Das Parlament wählte den Herzog Louis Philippe von Orléans. Bald nannte man ihn den „Bürgerkönig“, denn er hatte nur wenig Macht und war vor allem der König der reichen Bürger. Die kleinen Bürger und die Arbeiter hingegen waren im Parlament nicht vertreten.

Königreich Belgien

In jenen Tagen schauten die Liberalen nicht nur hoffnungsvoll nach Frankreich, sondern auch in die Vereinigten Niederlande. Dort hatte sich die überwiegend katholische Bevölkerung im Süden gegen den niederländischen König Wilhelm I. erhoben, denn in ihren Augen favorisierte er mit seiner autoritären Politik den protestantisch geprägten Norden, während er den Süden bevormundete, ja sogar schikanierte. Nach der Aufführung einer Oper mit aufwiegelndem Text am 25. August kam es zu einer spontanen Revolte. Sie griff schnell um sich, schon bald darauf hatte man die niederländischen Truppen aus Brüssel vertrieben.

Bereits am 4. Oktober 1830 rief eine provisorische Regierung aus Katholiken und Liberalen den unabhängigen Staat Belgien aus. Eine Mehrheit war für eine konstitutionelle Monarchie; im Februar 1831 trat eine liberale Verfassung in Kraft, und schließlich wurde Leopold von Sachsen-Coburg-Gotha König. Am 21. Juli 1831 wurde er auf die Verfassung vereidigt. Ein König, der seinen Eid auf eine freiheitliche Verfassung leistet – das war der Wunsch vieler Liberaler auch in Deutschland.

Hambacher Fest

All dies ermutigte die freiheitlichen denkenden Menschen in Deutschland. In Sachsen, Hannover und Kurhessen ertrotzten die Liberalen jetzt landständische Verfassungen. Dichter und Künstler des „Jungen Deutschlands“ wandten sich gegen die Restaurationspolitik und traten für demokratische Freiheitsrechte und soziale Gerechtigkeit ein.

Am 27. Mai 1832 feierten etwa 25.000 Menschen aus allen Volkskreisen, unter ihnen auch Franzosen, Polen und Italiener, auf der Maxburg im pfälzischen Hambach das Hambacher Fest. Unter dem Jubel der Teilnehmer forderten die Redner demokratische Rechte und Verbrüderung aller freien Völker: „Hoch lebe jedes Volk, das seine Ketten bricht und mit uns den Bund der Freiheit schwört! Vaterland – Volkshoheit – Völkerbund hoch!“ Das war politischer Sprengstoff.

Ein Jahr später stürmten Studenten aus Süddeutschland die Hauptwache in Frankfurt, in der Nähe des Bundestagspalais.

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